Startschuss mit 233 Wohnungen

Ab der zweiten Hälfte 2014 soll der westliche Teil des Saurer WerkZwei Gestalt annehmen. Die Eigentümerin und Arealentwicklerin HRS hat gestern ihre ersten Wohnbau- und Gewerbeprojekte vorgestellt. In der ersten Überbauungsphase des grossen Geländes entstehen 233 Wohnungen.

Neues Leben soll von Westen her in das über 220 000 Quadratmeter grosse Areal einfliessen: mit der Familien-Siedlung «Wohnen am Park» auf den Baufeldern A und D. Zudem sind die Pläne für eine Wohnbaute, bestimmt eher für die mittlere bis ältere Generation, gegen die Novaseta hin skizziert worden.

Dieser Bau wird sich – auf dem Baufeld A – an das ehemalige Saurer-Presswerk anschliessen. Dieses wird laut Michael Breitenmoser, Leiter Entwicklung Saurer Areal bei HRS, erhalten. Die künftige Nutzung ist indessen noch nicht bestimmt und wird eine spätere Planungsphase aufzeigen.

Nicht frei schalten und walten

Die Teilprojekte basieren auf dem rechtskräftigen Gestaltungs- und Erschliessungsplan von 2006. Dieser wiederum hat sich aus der Testplanung herauskristallisiert, die bereits 2005 über das ganze Gelände erfolgt ist. Festgelegt worden sind darin die Strassen und Plätze. «HRS kann also nicht frei schalten und walten», sagt HRS-Medienberater Sven Bradke.

HRS ist in einer späteren Phase eingestiegen und hat im Frühjahr 2012 das grösstenteils brachliegende Industrieland en bloc für 35 Millionen Franken von Oerlikon Saurer erworben. Vorgaben, wo und wie in welchen Baufeldern gebaut werden kann, umschreibt der Gestaltungsplan. So kann das riesige Areal wie ein vorskizziertes Puzzle geordnet und in Etappen überbaut werden. HRS spricht von einem Entwicklungszeitraum von mindestens 15 Jahren.

Wohnen für Familien

Entschieden ist jetzt der letzten Dezember ausgeschriebene Architekturwettbewerb «Wohnen am Park». Weiterbearbeitet wird das Siegerprojekt des Zürcher Architekturbüros Burkhalter Sumi («Nadelstreifen»). Auf einer Fläche von 12 000 Quadratmetern, gegen die Landquartstrasse hin orientiert, realisiert HRS eine «attraktive Wohnüberbauung für Familien». Vorgesehen ist teilweise gewerbliche Nutzung, dies im Rahmen von maximal zehn Prozent.

Die Siedlung grenzt an einen Park, der als Übergang zu den Häusern an der Landquartstrasse entstehen soll. Geplant sind vier längliche Baukörper «mit einfachen, schönen Wohnungen und integrierten Loggien», sagt Mitverfasser Yves Schihin: 73 Eigentums- und 59 Mietwohnungen. Hinzu nimmt ein «Superblock», an das durch den Brand beschädigte ehemalige Saurer-Zentrallager angrenzend, dessen Massstäblichkeit auf. Er birgt, 70 Meter lang und halb so breit mit Hochparterre-Charakter, einen Gewerbe-/Verkaufsteil sowie weitere rund 50 Wohnungen. Dieser markante Bau mit teilweise öffentlicher Nutzung fasst den «Saurer-Platz» ein und verleiht ihm eine neue städtische Qualität.

Für den zweiten Lebensabschnitt

Westlich des alten Presswerks und an der Schnittstelle zum Novaseta-Einkaufszentrum entsteht auf dem Baufeld A ein viergeschossiger Kopfbau mit Attikaaufsatz. Im Workshop-Verfahren ist dabei der Vorschlag von Architekt Michel Gübeli (Züst Gübeli Gambetti Architektur und Städtebau) zur Projektreife entwickelt worden. Das ebenfalls gegen den Park ausgerichtete Gebäude sieht 51 Wohnungen (mit zumeist zweieinhalb oder dreieinhalb Zimmern) «für den zweiten Lebensabschnitt» vor. Entsprechend flexibel sollen diese genutzt werden können.

Hotel in Planung

Der übrige Bereich dieses langen Baufeldes bis zum Autohaus bei der Bahn befinde sich noch in Planung, sagt Breitenmoser. Vorgesehen ist im östlichen Teil ein Hotel. Zudem wird es einen weiteren Wohn-/Gewerbebereich geben. Der markante Backsteinbau des ehemaligen Presswerks werde erhalten, sagt der Arealentwickler.

Mögliche Nutzungsideen kreiert derzeit das Architektenteam um Michel Gübeli: «Die Halle wäre als Ausstellungsraum prädestiniert. Überlegungen gehen auch in Richtung Ateliers.» Der Fächer sei aber noch offen. Die Halle werde dem Areal einen identitätsstiftenden Charakter geben können. Der neue Wohnbau soll in seiner Erscheinung auf den Altbau abgestimmt werden.

Stadtammann Andreas Balg zeigt sich «begeistert von der Qualität der Projekte» – wie auch vom Angebotsmix für verschiedene Generationen und Bedürfnisse.

Zu einem Ganzen fügen

«Unsere Aufgabe als Begleitgruppe ist es, die verschiedenen Projekte zusammenzuführen und auf die jeweiligen Bezüge und Dimensionen zu achten», betont Beat Consoni. Der Architekt ist Mitglied der Jury wie auch Experte in der begleitenden Fachgruppe. «Kein Objekt wird ein Selbstläufer sein.» Die verschiedenen Elemente sollen zu einem Ganzen verknüpft und vom Bestand her entwickelt werden.
(Max Eichenberger)