Aufstockung LOKwerk, Winterthur

Pas de Deux

Die Ausreizung des technisch wie wirtschaftlich Machbaren führte bei einer Aufstockung zu einer Verschmelzung von Architektur und Statik. Und zu einer adäquaten Antwort für den speziellen Ort.

Auf den ehemaligen Arealen von Sulzer und SLM entwickelt sich seit geraumer Zeit mittels punktueller Eingriffe ein neues Quartier. Diese Strategie der kleinen Schritte ist von der Absicht geleitet, den industriellen Charakter zu erhalten. Das LOKwerk ist einer der repräsentativen Backsteinbauten an der Zürcherstrasse. Hinter seiner denkmalgeschützten Fassade verbirgt sich ein Einkaufscenter, das um einen Wohnbau aufgestockt werden soll. Man erhofft sich von vier weiteren Etagen nicht nur räumliche Verdichtung, sondern auch Synergien.

Züst Gübeli Gambetti entwickelte ein Konzept, das maximale Ausnutzung, Flächeneffizienz, Realisierbarkeit bei laufendem Betrieb und Wirtschaftlichkeit garantiert und dabei ein Wohnerlebnis bietet, das dem speziellen Ort Rechnung trägt. Städtebaulich lag der Anspruch nicht in einem «spektakulären» Gebäude, sondern darin, das Bewusstsein für die Bindung an seinen Träger zu schärfen. Statisch bedingt muss die Aufstockung auf eigenen Beinen stehen, weshalb «Stützenhilfe» von oben erfolgt: Das Center erhält über Deckenbohrungen schlanke Stahlstützen zur Seite gestellt. Die Holzbaukonstruktion des Neubaus steht auf einem Stahlrost.

Die Statik wird auch als visuelle Kraft genutzt. Mit seinem umlaufenden Stützenwerk zeigt der domestizierte Überbau eine klare Differenzierung vom Bestand. Von fern erscheinen sie als Einheit. Sowieso wird effektiver Anschluss gesucht: Aus der Centerdisposition ergibt sich die Lage der Zugänge. Zudem wird ein neuer Treppenturm positioniert, um die Südseite aufzuwerten. Bei der Planung der 75 Wohnungen bestand der Kunstgriff in der Kombination zweier bewährter Typologien: der Block mit zentralem Hofraum und die von Laubengängen erschlossene Zeile. Daraus ergibt sich eine eigene Art urbaner Häuslichkeit. (mc)